WORUM GEHT ES IN JANE EYRE?

Vier verschiedene Ausgaben des Romans Jane Eyre vor einem dunklen Hintergrund

Charlotte Brontë publizierte ihren ersten Roman Jane Eyre: An Autobiography im Jahr 1847 zunächst unter dem männlichen Pseudonym ‘Currer Bell’. Gemeinsam mit ihren Schwestern Emily und Anne hatte sie bereits ein Jahr zuvor einen gemeinsamen Gedichtband – Poems by Currer, Acton and Ellis Bell – veröffentlicht.

Hier erfahrt ihr alles, was ihr über den Inhalt von Jane Eyre wissen müsst (mit Spoilern!)

In Jane Eyre begleiten wir die gleichnamige Protagonistin durch ihr Leben als Gouvernante im England des 19. Jahrhunderts. Jane ist Waisin und wird von ihrer unliebsamen Tante in ein Internat geschickt. Dort lebt sie unter prekären Bedingungen; als ihre einzige Freundin sehr jung an Tuberkulose stirbt, lernt Jane zum ersten Mal, was es bedeutet, einen geliebten Menschen zu verlieren. Trotz der widrigen Umstände beendet Jane die Schule im Internat und wird dort Lehrerin. Nach einiger Zeit merkt sie jedoch, dass sie mehr von der Welt außerhalb des Internats kennenlernen möchte und bewirbt sich als Gouvernante.

So gelangt sie schließlich im Alter von etwa 18 Jahren nach Thornfield Hall, dem Herrenhaus von Edward Fairfax Rochester, dessen Schützling Adéle Jane nun unterrichten soll. Die ersten Monate verbringt sie zunächst allein mit Adéle und der Angestellten Mrs. Fairfax im Haus, bis sie Mr. Rochester zufällig bei einem Spaziergang über den Weg läuft. Dieser stürzt prompt von seinem Pferd und macht Jane für sein Unglück verantwortlich. Während seiner Anwesenheit im Haus verbringt Mr. Rochester immer mehr Zeit mit Jane und trifft sich regelmäßig mit ihr für ausgiebige Gespräche. Gleichzeitig fallen Jane in Thornfield Hall immer wieder ungewöhnliche Dinge auf: das nächtliche Lachen, das seltsame Verhalten anderer Angestellter… als Mr. Rochesters Bett eines nachts in Flammen aufgeht und Jane ihn vor dem Tod bewahrt, beginnt sie die Wäscherin Grace Poole hinter all dem gruseligen Vorgehen zu vermuten. 

Doch Jane findet keine Ruhe diesen Gedanken nachzugehen, denn sie muss feststellen, dass sie sich Mr. Rochester immer näher fühlt und sich entgegen ihres besseren Wissens in ihn verliebt. Als eine Gruppe Aristokraten für einige Tage auf Thornfield Hall zu besuch sind, sieht Jane ihre Fälle jedoch schwinden, da Mr. Rochester sich scheinbar in die schöne Ms. Ingram verliebt hat. Jane weiß aber nicht, dass Mr. Rochester sein Interesse für Ms. Ingram nur spielt, um Eifersucht in Jane zu wecken und herauszufinden, ob sie ihn liebt oder nicht. In einer warmen Sommernacht erzählt er Jane schließlich von seinen Gefühlen für sie und hält um ihre Hand an. 

Jane ist vollkommen aus dem Häuschen und kann ihr Glück kaum fassen. Doch am Tag der Hochzeit bricht für sie eine Welt zusammen: Sie lernt, dass Mr. Rochester bereits verheiratet ist und seine Ehefrau – Bertha Mason – in einem der Türme in Thornfield Hall eingesperrt ist. Sie ist laut Rochester mentally ill und gewalttätig, weshalb er sie schon seit Jahren dort gefangen hält. Nachdem Rochester seine Situation erklärt und Jane um Vergebung bittet, beschließt diese Thornfield Hall zu verlassen und schleicht sich noch in der gleichen Nacht vollkommen mittellos aus dem Haus. 

Einsam streift sie durch die englischen Moore, bis sie schließlich vor dem Haus des Vikars St. John Rivers zusammenbricht. Sie wird von ihm und seinen Schwestern Mary und Diana aufgenommen und lebt unter falschem Namen unter ihnen. Wieder nimmt sie eine Stelle als Lehrerin an und unterrichtet die Kinder des Dorfes. Als St. John Janes wahre Identität herausfindet, stellt er schnell fest, dass Jane nicht nur seine Cousine ist, sondern auch, dass ihr ein verstorbener Onkel ein beträchtliches Erbe hinterlassen hat. Jane beschließt das Geld mit Mary, Diana und St. John zu teilen und erfreut sich an ihrer neu gefundenen Familie.

St. John beginnt vermehrtes Interesse an Jane zu zeigen und hält schließlich um ihre Hand an und bittet sie, ihn auf seinen Missionsreisen nach Indien zu begleiten. Als Jane ihn, wegen ihrer Gefühle für Mr. Rochester ablehnt, lässt St. John nicht locker und beginnt sie immer weiter unter Druck zu setzen. Gerade als Jane dem Druck nachgeben möchte, hört sie Mr. Rochesters Stimme nach ihr rufen und beschließt ihn aufzusuchen.

Bei ihrer Rückkehr nach Thornfield Hall findet Jane das Herrenhaus niedergebrannt. Jane erfährt, dass Mr. Rochester  in der Nacht des Feuers schwer verletzt wurde und in den Flammen erblindet ist. Als sie ihn aufsucht, vergibt sie ihm für seine Taten und die beiden heiraten schließlich doch noch.

Der Roman verhandelt eine Menge verschiedener Themen; moralische und ethische Grundfragen, feministische Ansätze und religiöse Debatten werden hier anhand der Geschichte einer resoluten und selbstsicheren jungen Frau verschiedenste Szenarien durchgespielt. Das – inzwischen klassische – Bild der ‘mad woman in the attic’ wird in Jane Eyre eingesetzt, um Fragen rundum den Umgang mit Frauen in der Gesellschaft des viktorianischen Englands zu diskutieren und um herauszufinden, wie weit Vergebung und Vergeltung gehen können.